Am 23. April erlebten die Schülerinnen und Schüler der Klassen WS9 und WS10 eine Begegnung, die weit über den klassischen Religions- und Ethikunterricht hinausging. Per Zoom war Arie Rosen direkt aus dem 3.000 km entfernten Jerusalem zugeschaltet, um uns einen authentischen Einblick in das jüdische Leben zu geben. Unterstützt wurde er dabei von Yedidia Toledano, der mit seinem Gesang und der Gitarrenbegleitung für eine ganz besondere Atmosphäre sorgte.

Obwohl wir nur über Bildschirme verbunden waren, fühlte sich das Judentum im Klassenzimmer ganz nah und greifbar an. Herr Rosen präsentierte uns verschiedene Kultgegenstände wie eine Torarolle, Schabbatkerzen sowie den Kidduschbecher und erklärte deren Bedeutung im jüdischen Alltag.

Besonders intensiv sprachen wir über den Schabbat. Herr Rosen verdeutlichte uns, dass dieser Tag weit mehr ist als eine religiöse Pflicht. In einer Welt, die immer schneller wird, dient der Schabbat als Kraftquelle für die Familie: Man nimmt sich Zeit füreinander – ganz ohne Ablenkung. Überraschend war für viele auch der Aspekt des Umweltschutzes: Ein Tag ohne Konsum, ohne Autos und ohne Elektronik ist auch ein wöchentliches Zeichen für den Schutz unserer Schöpfung.

Für ein Raunen (und ehrlicherweise ein wenig Entsetzen) in den Klassen sorgte die konsequente Umsetzung der Schabbat-Regeln: Kein Handy, kein Internet, keine Playstation. Was für viele Schüler erst einmal nach „digitaler Steinzeit“ klang, erklärte Herr Rosen als bewusste Freiheit. Einmal in der Woche nicht erreichbar zu sein, schaffe Raum für echte Gespräche und innere Ruhe – ein Gedanke, der nach der ersten Skepsis viele nachdenklich stimmte.

Durch die zahlreichen Fragen der Jugendlichen und die persönlichen Antworten von Arie Rosen wurde deutlich: Das Judentum ist keine starre Theorie aus dem Lehrbuch, sondern eine lebendige, reflektierte Lebensweise.

Begegnungen wie diese sind ein wertvoller Teil unseres Schullebens. Sie helfen dabei, abstrakte Unterrichtsthemen durch echte Gesichter und Geschichten zu ersetzen. Der direkte Draht nach Jerusalem hat eindrucksvoll gezeigt, dass Digitalisierung im Unterricht weit mehr sein kann als nur ein technisches Hilfsmittel – sie ermöglicht interkulturellen Dialog ohne Grenzen.

Wir danken Arie Rosen und Yedidia Toledano von Lea Fleischmann-Bildungsprojekte sehr herzlich für diesen inspirierenden Vormittag. Ein großes Dankeschön gilt zudem der Hanns-Seidel-Stiftung, die dieses Projekt durch ihre Unterstützung erst möglich gemacht hat.

(T. Schmid)

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