Was hat das plötzliche Aus eines Imbisses oder eine Flut an bizarren Google-Rezensionen mit seriösem Journalismus zu tun? Am Freitag, den 8. Mai, erlebte die Klasse WS10Z einen Vormittag am Puls der Zeit. Per Live-Stream schalteten wir uns direkt zu den Journalisten Gina Thiel und Michel Endres von der Main-Post, um zu verstehen, wie Lokaljournalismus im Zeitalter von Social Media funktioniert.
Dass Lokalredaktionen oft als „Fakten-Feuerwehr“ ausrücken müssen, wurde an zwei aktuellen Würzburger Beispielen deutlich:
Der Fall „Stock“ an der Alten Mainbrücke: Besonders skurril war die Dynamik um einen Ast, der sich in der Brücke verfangen hatte. Innerhalb kürzester Zeit sammelten sich bei Google Maps hunderte (teils ironische) Bewertungen für diesen „Stock“. Ein digitales Phänomen, das zeigt, wie schnell Algorithmen eine Eigendynamik entwickeln.
Aus für die „Hype-Pizza“: Auch bei der Schließung eines viral gegangenen Pizzaladens in der Stadt eskalierten die Kommentarspalten. Während online wild spekuliert wurde, suchten die Journalisten das direkte Gespräch mit dem Betreiber, um dessen Sicht der Dinge zu hören.
Genau hier beginnt die Arbeit der Profis. Im Stream wurde klar, dass sich guter Journalismus durch feste Regeln von der Masse an Online-Posts abhebt:
- Fakten statt Algorithmen: Journalismus findet nicht nur am Schreibtisch statt. Die Redaktion ist vor Ort, um Informationen zu verifizieren, die auf Social Media oft anonym und ungeprüft verbreitet werden.
- Das Zwei-Quellen-Prinzip: Eine Information wird erst zur Nachricht, wenn sie von mindestens zwei voneinander unabhängigen Quellen bestätigt wurde. Das schützt vor Falschmeldungen.
- Wahrung der Persönlichkeitsrechte: Während in der Anonymität des Netzes oft Grenzen überschritten werden, müssen Journalistinnen und Journalisten die Rechte des Einzelnen schützen.
Unser Fazit: Lokaljournalismus ist nah dran, manchmal unbequem und für eine funktionierende Stadtgesellschaft unverzichtbar. Er filtert aus dem Chaos von Google-Bewertungen und Social-Media-Kommentaren die Wahrheit heraus.
Vielen Dank an Gina Thiel und Michel Endres für die spannenden Einblicke in ihre Arbeit zwischen Redaktionsalltag und Stadtleben! (T. Schmid)
