WhatsApp, TikTok und Insta gehören für uns alle zum Alltag, doch wo hört der Spaß im Netz eigentlich auf und wo fängt die Kriminalität an? Genau darum ging es am 8. Juli für die Klassen WS7 und WS9 in einem 90-minütigen Webinar mit der Rechtsanwältin Gesa von Schwerin von „Law4School“. Sie hatte keine trockene Theorie im Gepäck, sondern krasse, echte Fälle aus ihrer eigenen Kanzlei.

Besonders die reale Geschichte von Nicklas und Aimée sorgte für Betroffenheit: Nicklas bekam auf Social Media eine Freundschaftsanfrage von einem Mädchen namens Aimée, das er im echten Leben gar nicht kannte. Die beiden fingen an zu chatten und sie schickte ihm täuschend echte, manipulierte Nacktbilder (sogenannte Deep Nudes). Daraufhin schickte er ihr ebenfalls Nacktbilder von sich. Das Schockierende: Hinter dem Profil von Aimée steckte ein Klassenkamerad von Nicklas. Für Nicklas hatte das Ganze schreckliche Folgen: Seine Fotos verbreiteten sich rasant an seiner ganzen Schule und er wurde sowohl dort als auch privat massiv beschimpft und bloßgestellt. Schließlich hielt Nicklas den Druck nicht mehr aus und ging zur Polizei. Das hatte heftige Konsequenzen für den Mitschüler, der hinter der Aktion steckte. Es gab eine polizeiliche Hausdurchsuchung, alle Geräte wurden beschlagnahmt und er machte sich wegen mehrfacher schwerer Delikte strafbar, unter anderem der Verbreitung von Kinderpornografie. Generell gilt bei Online-Kontakten der Grundsatz, extrem vorsichtig bei Fremden zu sein, die schnell Fotos fordern.

Anhand dieses Falls erklärte die Anwältin, dass Tätern ab 14 Jahren das Jugendstrafrecht droht. Neben teuren Abmahnungen samt Schmerzensgeld kann es zu Strafanzeigen wegen Körperverletzung, Beleidigung, Verleumdung oder Nötigung kommen.

Auch beim Teilen von Content lauern Fallen: Wer Bilder oder Videos von einzeln erkennbaren Personen ohne Erlaubnis weiterleitet, selbst wenn diese sie schon mal selbst gepostet haben, macht sich strafbar.

Bei Cybermobbing gab die Anwältin den Schülern einige wichtige Punkte mit auf den Weg. Beweise sollen per Screenshot mit Datum, Uhrzeit und Profilname gesichert werden. Aber Achtung: Bei Nacktbildern niemals selbst Screenshots machen, sondern sofort die Polizei rufen. Außerdem sollte man unbedingt eine Vertrauensperson wie Eltern oder Lehrer einbeziehen, um gemeinsam über rechtliche Schritte zu entscheiden. Niemand muss mit diesem Stress allein klarkommen. Anonyme Hilfe gibt es kostenlos bei der Nummer gegen Kummer (116 111), rund um die Uhr per WhatsApp auf krisenchat.de oder online bei juuuport.de. Das Webinar hat bei allen einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ein großes Dankeschön an Gesa von Schwerin für diesen echten Augenöffner!

(T. Schmid)

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